Ob traditionsgerecht mit Rosinen und kandierter Zitronatzitrone oder mit Cremen jeglicher Art, ob hoch oder niedrig, mit Schokoladenglasur oder Likör, der Panettone ist und bleibt eines der Symbole des Weihnachtsfestes: An seine zweifellos mailändischen Ursprünge sind zahlreiche Legenden gebunden.
Das “grosse Brot”
Bereits seit ewigen Zeiten charakterisiert der Panettone (ein lockerer, aufgegangener Hefekuchen, der normalerweise mit Rosinen und kandierten Zitrusfrüchten zubereitet wird), mit seiner typischen Kuppelform die Weihnachtstafeln der Mailänder, auf denen er, praktisch unverändert, bereits seit mindestens dem 15. Jahrhundert thront. Der Historiker Ludovico Antonio Muratori (1672 – 1750) führt das Entstehendieser Süßspeise auf noch weiter zurückliegende Zeiten zurück und bringt sie mit einem Brauch heidnischen Ursprungs in Verbindung, der in der Lombardeibereits in den ersten Jahren des 3. Jahrhunderts verbreitet war.
Vor dem aufgetragenen Weihnachtsessen schenkte das Familienoberhaupt ein
wenig Wein aus dem eigenen Glas auf einen angezündeten Holzklotz,
gemeinsam mit einem kleinen Bündel Wacholderzweigen und -beeren,
woraufhin er das “große Brot” (d. h. den Panettone) zerbrach, nachdem er auf
seiner Oberfläche ein Kreuz eingeschnitten hatte, und ein wenig davon an alle
Familienmitglieder verteilte. Ein kleiner Teil dieses Brots wurde schließlich
bis zum folgenden Weihnachtsfest aufbewahrt. Das für diesen Anlass mit
besonderer Sorgfalt zubereitete Brot wurde so zum Symbol der Familie.
Im Laufe der Zeit verbreitete sich der Brauch, dieses Weihnachtsbrot
ausschließlich mit weißem Weizenmehl zuzubereiten, das die Einzigartigkeit
und Besonderheit dieser Speise unterstrich: Daher wurde es “pan del ton”
(wörtl. “Luxusbrot”) genannt, woher sein heutiger Name “panettone” stammt.
Der Fürst und der Bäcker
Um diese antiken Rituale verstricken sich zahlreiche Legenden, von denen
eine erzählt, dass der Name “panettone” von der Bezeichnung “pane di Toni”
(wörtl. “Brot von Toni”) stammt, d. h. vom Namen eines Küchengehilfen am
Hof von Ludovico il Moro, d. h. Ludovico Sforza, der dieses Brot erfand. Dieser
faszinierenden Legende nach, verbrannte der Hofkoch das Dessert für ein vom
Fürsten gegebenes Weihnachtsbankett: Die Situation wurde vom
Küchegehilfen Toni gerettet, der ein Süßbrot aus Butter, kandierten Früchten
und Teigresten zubereitet hatte. Diese Süßspeise hatte einen derartigen
Erfolg unter den Gästen, dass der Fürst nach ihrem Namen fragte und als Toni
erklärte, dass er noch nicht über einen Namen nachgedacht hatte, entschied
der Fürst für “pan del Toni”.
Einer anderen Legende nach, war Toni – auch in dieser Version am Hof von
Ludovico il Moro ansässig – ein Bäcker, Vater der schönen Adalgisa, in die der
Ritter Ughetto degli Antellari verliebt war. Um die Geliebte zu erobern,
präsentierte sich Ughetto hier als Bäckerlehrling und bereitete, nachdem er in
der Backstube von Toni eingestellt worden war, eine Süßspeise für die Dame
zu: Das Unternehmen hatte Erfolg und Ughetto heiratete die schöne Jungfrau,
unter Schutz von Ludovico il Moro und seiner Gattin Beatrice.